Anämien

Anämie:

……ist die häufigste Erkrankung des Blutes

……ist ein Zeichen einer zugrundeliegenden Erkrankung

……ist keine eigenständige Krankheit, sondern eher das Ergebnis verschiedener Erkrankungen

……steht stark in Zusammenhang mit dem Eisenstoffwechsel
 

Anämien

Diagnostik der Anämie:

In der Diagnostik der Anämien spielt das Blutbild eine wichtige Rolle. Die Hämatologie-Analyzer ersetzen heute bei Routineuntersuchungen den Blutausstrich. Im Hinblick auf die Differenzierung verschiedener Reifestufen der Zelltypen versagen die Analyzer jedoch. Die Studie PERIPHERAL BLOOD FILM – A REVIEW von AS Adewoyin und B. Nwogoh bestätigt die Wichtigkeit der manuellen Überprüfung des Blutbildes mittels Blutausstrich bei primären und sekundären Hämopathien.  

Für die Diagnostik einer Anämie ist Hämoglobin ein wichtiger Marker. Hämoglobin ist ein Sauerstoff-tragendes Protein, das sich im Blut überwiegend in den roten Blutzellen (Erythrozyten) befindet. Der Hämoglobin-Wert des Blutes ist abhängig von der Zahl der Erythrozyten, ihrem Hämoglobingehalt und dem Plasmavolumen. Zwischen dem Hämoglobin Wert im Blut und der Erythrozytenmasse des Organismus besteht eine direkte Beziehung bei gleichbleibendem Plasmavolumen. Die Verminderung des Hämoglobin-Bestandes im Organismus wird als Anämie bezeichnet. An der Hämoglobin Konzentration wird eine Anämie erkannt, wenn das Blutvolumen normal ist.



Der Begriff Anämie beschreibt eine Verminderung der Hämoglobin (Hb)-Konzentration bedingt durch:

  • Eine absolute Verminderung der Erythrozytenzahl, z.B. bei Anämien durch chronische Erkrankungen

  • Eine Abnahme des Hämoglobingehaltes der Erythrozyten. Dies kann der Fall sein bei normaler, leicht verminderter oder gar erhöhter Zellzahl, z.B. bei Eisenmangelanämie oder heterozygote β-Thalassämie.

  • Eine Zunahme des Plasmavolumens bei relativer sogar erhöhter Erythrozytenmasse, z.B. im letzten Drittel der Schwangerschaft. In diesem Fall wird von einer Pseudoanämie gesprochen.

Da die Konzentration des Hb physiologisch die wichtigste Grösse ist, stellt sie den sinnvollsten Parameter zur Erkennung einer Anämie dar1. Von der WHO wird eine Referenzbereichsgrenze für Männer bei 13 g/dl, für Frauen im menstruationsfähigen Alter bei 12 g/dl und für Schwangere bei 11 g/dl angegeben2.

Die Grenzwerte für die Anämie bei Kindern können nur altersabhängig bewertet werden.
Für bestimmte Personengruppen wie Raucher oder in Abhängigkeit von Lebensumständen (Aufenthalt in Höhenlagen) sind Anpassungen des Hb-Norm- oder Entscheidungswertes erforderlich.

Ausmass der Anämie


Das Ausmass der Anämie wird abhängig von der Hämoglobinkonzentration klassifiziert in3:

  • Mild: ab 10 g/dl bis zum unteren Grenzwert

  • Moderat: 8 – 10 g/dl

  • Schwer: 6,5 – 8 g/dl

  • Lebensbedrohend: < 6,5 g/dl

Klinische Symptome der Anämie


Klinische Symptome sind kalte und blasse Haut, Müdigkeit, Herzklopfen, geringe Belastbarkeit, Depression, Störung der kognitiven Funktion und eine generelle Verminderung der Lebensqualität. Bei schweren Anämien, wenn sich der Hb-Wert also in etwa halbiert hat, kann es zu kardialen Dekompensationen mit Stauungsinsuffizienz des Herzens kommen, da der koronare Blutfluss sein Maximum erreicht hat. Diese Situation ist besonders kritisch bei Patienten mit präexistenter koronarer Herzerkrankung. Auch kann bei schwerer Anämie, auf Grund einer Verminderung des renalen Blutflusses, eine leichte Proteinurie resultieren4.

Literatur:

Auszug aus Labor und Diagnose, Lothar Thomas, 8. Auflage

  1. Peghini PE, Fehr J. Anämieabklärung. Schweiz med Forum 2002; 37: 857-88

  2. World Health Organisation. Nutritional anemias: report of a WHO scientific group. WHO 1968; Geneva, Switzerland

  3. Groopman JE, Itri LM. Chemotherapy induced anemia in adults: incidence and treatment. J Natl Cancer Inst 1999;91: 1616-34

  4. Ludwig H, Strasser K. Symptomatology of anemia. Seminars Oncology 2001; 8 Suppl 8:7-14

Hämatologie:

CBC, DIFF, RETIC, digitale Morphologie auf dem cobas m 511* Hämatologie-Analysensystem

Klinische Chemie / Immunologie:

Tests_Klinische_Chemie_Immunologie

* In Entwicklung

Häufigkeit der Anämie:

Eisenmangel ist eine der häufigsten Mangelerkrankungen des Menschen und stellt mit ca. 80% die häufigste Anämie-Ursache (in Westeuropa) dar. Weltweit sind ca. 600 Mio. Menschen betroffen, vor allem in Ländern der zweiten und dritten Welt [Bhutta et al., 2012; Kassebaum et al., 2014; Miller., 2013]. In diesen Ländern ist der Eisenmangel ein schwerwiegenderes medizinisches Problem als in Westeuropa, weil er dort oft mit anderen ungünstigen Bedingungen (z.B. Mangelernährung) verbunden ist. Eisenmangel ist aber auch in der Schweiz ein weit verbreitetes Problem, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Frauen. Schätzungen gehen davon aus, dass 7 bis 15% der Schweizer Bevölkerung von einem Eisenmangel betroffen sind [Hercberg et al., 2001; Marx, 1997; Schleiffenbaum et al., 2006]. Der Anteil der Schweizer Bevölkerung mit einer Eisenmangelanämie liegt aber wesentlich tiefer, wobei keine verlässlichen Zahlen verfügbar sind.


Literatur:

Orale oder parenterale Behandlung des Eisenmangels (swiss medical board Fachgremium)

Einteilung Anämie:

Chronische Anämie: Bei Patienten mit chronischer Anämie ist das Blutvolumen annähernd normal, da entsprechend der Verminderung der Erythrozytenmasse das Plasmavolumen zugenommen hat. Als Folge liegen eine Verminderung der Erythrozytenzahl/µl und eine Abnahme des Hämatokritwerts und des Hb-Werts vor.

Akute Anämie: Eine akute Anämie, z.B. durch Blutverlust, ist durch den Hämatokrit, die Erythrozytenzahl und die Hb-Konzentration erst nach 24 h zu erfassen, da in den ersten Stunden keine kompensatorische Zunahme des Plasmavolumens erfolgt.

Relative Anämie: Es liegt ein Zustand mit normaler Erythrozytenmasse vor, aber das gesamte Blutvolumen ist auf Grund einer Erhöhung des Plasmavolumens vermehrt. Ursache ist eine regulative Änderung im Wasser- und Elektrolythaushalt, z.B. in der Schwangerschaft. Im Unterschied zur chronischen Anämie, bei der im Serum gewöhnlich ein normales Total-Protein gemessen wird, ist bei der relativen Anämie (Pseudoanämie) das Total-Protein erniedrigt oder niedrig-normal, ausgenommen ist der Morbus Waldenström.